US-Sanktionen gegen Nord Stream 2 unterstützende Unternehmen

Während das Pipelineprojekt Nord Stream 2 derzeit aufgrund der Weigerung Dänemarks der Streckenführung der Pipeline durch dänisches Hoheitsgebiet zuzustimmen stillsteht, arbeitet der US-Senat ein Gesetzesvorhaben aus, das Sanktionen gegen Unternehmen vorsieht, die am Bau der Pipeline beteiligt sind.

Es handelt sich dabei insbesondere um Schiffe zur Pipelineverlegung auf See, eine technische Leistung, die der Hauptaktionär an der Betreibergesellschaft Nord Stream AG, der russische Gaskonzern und Exporteur Gazprom nicht selbständig erbringen kann.

Konkret benannt wurden das eidgenössische Unternehmen Allseas und das italienische Unternehmen Saipem. Die Sanktionen könnten sich auch auf Finanzierer, Versicherer und technische Dienstleister dieser Unternehmen erstrecken.

Auf diese Weise versuchen die Vereinigen Staaten, das umstrittene Pipelineprojekt, welches die durch die Ukraine geführten Pipelines ersetzen soll, doch noch zu Fall zu bringen.

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https://foreignpolicy.com/2019/05/13/us-senate-threatens-sanctions-over-russian-pipeline-nord-stream-two-geopolitics-energy-germany-europe-gazprom/

Energieanalysten ziehen außerdem die Angaben der Betreibergesellschaft und von Gazprom in Zweifel, wonach die Gaspreise für europäische Verbraucher durch die Nord Stream 2 Pipeline fallen würden.

Marktrealitäten und die vor allem Erfahrungen aus der Vergangenheit mit Gazprom zeigen, dass Gaspreise im Fall eines Imports von Pipelinegas nicht fallen.

Die Energieexperten Anders Åslund und Agnia Grigas beim Atlantic Council kommentieren diese Behauptungen wie folgt:

„Commenting on the putative 8 billion euro potential savings for European gas consumers if Nord Stream 2 is built, Anders Åslund, a Senior Fellow at the Atlantic Council, told Polygraph.info that the Russians are constantly coming up with bizarre numbers to protect and expand their gas market share. “The cost of Russian natural gas is indeed lower than LNG, but who benefits from it? Only the producers, not the consumers,” Åslund said. “Gazprom can be more flexible with the sale prices, but it is not.”

“Gazprom is not building its project in order to save European consumers money; in fact, it is building it to maintain and entrench its positions on the European markets right at the time when Europe is seeing more options and more liquidity,” Agnia Grigas, a nonresident senior fellow with the Atlantic Council’s Eurasia Center, told Polygraph.info. She added that the Nord Stream 2 project is Gazprom’s way of fighting against the competition, an attempt to lock the European market by tying it to Russian pipelines in order to preempt alternative gas supplies.

“I certainly don’t expect gas prices to drop; on the contrary, in countries where Gazprom has established positions, gas prices tend to rise,” said Grigas.

Lithuania’s experience demonstrates this: as soon as Vilnius started planning to build an LNG regasification terminal at Klaipeda, Gazprom had to decrease its prices in Lithuania.”

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https://www.polygraph.info/a/nords-stream-2-will-not-reduce-natural-gas-prices-in-europe-fact-check/29933914.html

Deutsch-französische Misshelligkeiten um Nordstream 2

Während die Fertigstellung der umstrittenen Unterwasserpipeline “Nordstream 2” nunmehr Kurs auf die Zielgerade nimmt, werden von Deutschlands europäischen Nachbarn Einwände angemeldet.

Die baltischen Staaten, aber auch Polen und vor allem die Ukraine haben das Projekt, mit dem Deutschland jährlich 55 Milliarden Kubikmeter Gas – zusätzlich zu den bisher 51 Milliarden Kubikmetern, die durch “Nordstream 1” fließen – direkt aus Russland importieren will, mit großer Skepsis betrachtet, da es ihre Energie- und Sicherheitsinteressen beeinträchtigt.

Der Energieexperte Wojciech Jakóbik skizzierte gegenüber dem Verfasser die lagerübergreifend vorherrschende Position in Polen, indem er “Nordstream 2” als politische und ökonomische Bedrohung. In politischer Hinsicht führt sie zur Spaltung Europas und könnte zudem ein Erpressungspotential gegenüber der Ukraine bedeuten. Ökonomisch führt die Pipeline dazu, dass die Nachfrage aus einer dominierenden Quelle befriedigt wird, was den Markt verzerrt und ihm schadet.

Anfang Februar hat nun Frankreich Vorbehalte gegen das Projekt geltend gemacht. Die Regierung in Paris befürchte „strategische Probleme“.

Die Bedenken richten sich zum einen allgemein auf die Gefährdung der europäischen Sicherheitsarchitektur, weil sich Deutschland durch den Bau der Pipeline beim Bezug von Erdgas fast vollständig in russische Abhängigkeit begibt. Dies vor dem Hintergrund, dass aktuell nach dem Ausstieg aus der Kernkraft in naher Zukunft auch der Kohleausstieg beschlossen werden soll, so dass Gas neben den sog. „erneuerbaren Energien“ die Hauptenergiequelle in Deutschland werden wird.

Die Franzosen mahnten jedoch auch die Einhaltung der Vorgaben der EU-Gas-Richtlinie an, nach denen Gas-Lieferant und Pipelinebetreiber nicht identisch sein dürfen. Dies ist jedoch bei “Nordstream 2” bisher der Fall. Erdgas-Lieferant ist der russische Gasmonopolist Gazprom, eine Aktiengesellschaft, an der der russische Staat mehr als 50 % der Anteile hält. Pipelinebetreiber ist die in der Schweiz ansässige Nord Stream 2 AG, deren Vorsitzender des Verwaltungsrats Bundeskanzler a.D. Gerhard Schröder ist, bestand zu Beginn des Projekts aus ursprünglich sechs Investoren: neben Gazprom das französische Energie-Unternehmen Engie, die BASF-Tochtergesellschaft Wintershall, die E.ON-Abspaltung Uniper, der österreichische Energie-Konzern OMV und die niederländische Royal Dutch Shell. Gazprom hielt 50 % der Anteile, die anderen Investoren jeweils 10 %.

Zwischenzeitlich ist jedoch die Projektgesellschaft Nord Stream 2 AG vollständig in den Händen des russischen Gas-Riesen Gazprom. Die Tochtergesellschaft „Gazprom Gerosgaz Holdings“mit Sitz in den Niederlanden hält alle Anteile an der Projektgesellschaft.

Nach zweitägigen Verhandlungen haben Frankreich und Deutschland einen Kompromiss erzielt, über dessen Details bisher nichts Konkretes bekannt ist.

Auch außereuropäische Kenner des Energiemarkts sehen das Projekt kritisch. Die amerikanische Energieexpertin Agnia Grigas sagte dem Verfasser, dass die Logik hinter Nordstream 2 ein jahrzehntealtes Denken repräsentiere, flankiert von mächtigen Lobbyinteressen der russischen Energiestaatskonzerne.

Angesichts der großen Veränderungen auf den globalen Energiemärkten und den geopolitischen Konstellationen folgten die Entscheidungen Deutschlands keiner konsequenten Logik. Es sei fahrlässig, dass Deutschland, als einem der größten Gasimporteure, noch kein LNG-Terminal habe und nicht nach Bezugsquellen für Gas auf dem globalen Markt suche und sich stattdessen durch den Bau langfristiger Pipelinearchitektur für Jahrzehnte an Russland binde.

Gewiss bleibe Pipelinegas aus Russland eine bedeutende Quelle für Europa, aber weder ist es die einzige Quelle, noch sollte sie es sein.

Möglicherweise ist das geplante LNG-Terminal im schleswig-holsteinischen Brunsbüttel zum Import von verflüssigtem Erdgas (LNG) ein erster Anfang zur Diversifizierung der Bezugsquellen.

Trump und Putin: Beim Thema Gas droht schwerer Konflikt – WELT

Die zweite Gaspipeline von Russland nach Deutschland berührt in erheblichem Maß US-Interessen. Präsident Trump steht hier vor der Wahl: „America First“ oder ein gutes Verhältnis zu Russland. Beides geht nicht.

Quelle: Trump und Putin: Beim Thema Gas droht schwerer Konflikt – WELT

Fracking: NRW untersagt Wintershall die Erdgassuche – SPIEGEL ONLINE

Der Öl- und Gaskonzern Wintershall wollte in zwei großen Gebieten Nordrhein-Westfalens nach Erdgas suchen – und hätte dafür Fracking nutzen müssen. Die zuständige Behörde verlängert die nötigen Genehmigungen nun aber nicht.

Quelle: Fracking: NRW untersagt Wintershall die Erdgassuche – SPIEGEL ONLINE

Preiskrieg: Der neue Kalte Krieg auf dem globalen Gasmarkt – DIE WELT

Mit ihrer ersten Flüssiggaslieferung nach Europa leiten die USA ein neues Kapitel im Kampf um den Gasmarkt ein. Doch Russen und Norweger wollen sich nicht geschlagen geben – mit Folgen für den Preis.

Quelle: Preiskrieg: Der neue Kalte Krieg auf dem globalen Gasmarkt – DIE WELT